Caroline Bayer

Ruppe KopselleckMetropolis

Anja BauerRaumzeichnungen

URS BUGMANN citygrid

DR. FRITZ EMSLANDERWandnahmen

Die Sprengung der klassischen Blattformate seit den 1970er Jahren führt in den 1990er Jahren zu einer Erweiterung des Mediums Zeichnung durch den Einbezug von Strategien der maßstäblichen Modifikation realer Räume. Die Zeichnung nutzt dabei das verführerische illusionistische Potential der Simulation von Räumen, das traditionell der Wandmalerei vorbehalten war. In monumentalen Formaten entstehen Wand füllende Zeichnungen, die entweder weiterhin Papier als Träger verwenden und dann – quasi als mobile Wandarbeiten – gehängt werden oder vom Künstler direkt auf die Wände des Ausstellungsraums aufgetragen werden.

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Caroline Bayers mit schwarzem Klebeband markierte Fragmente von Allerweltsarchitektur treten in einen Dialog mit der vorgefundenen architektonischen Situation – mal als sensible Bestandsaufnahme und Akzentuierung, mal als verfremdende Interpretation oder bissiger Kommentar im Sinne eines Gegenbildes. „Wie eine durchsichtige Haut“ legen sich vertraute Bilder aus dem urbanen Alltag auf die Wand, spannen sich über sie „wie eine dünne Membran, unter der die Architektur ihre Eindeutigkeit einbüßt und sich der Raum illusionistisch öffnet. […] Ecken und Winkel erweitern plötzlich das Ausstellungsareal, Zwischenräume verunklären dessen bislang gültige Grenzen, und Wandöffnungen holen das Draußen nach drinnen.“1 Der von der baulichen Situation abstrahierte zeichnerische Raum wird wechselweise durch die Sinne und die Einbildungskraft erfahren. Er ergänzt den begehbaren Raum durch einen optischen, euklidischen Tiefenraum. Auch wenn der Betrachter diese beiden Räume analytisch unterscheidet, so fügt er im Moment der ästhetischen Anschauung doch unwillkürlich auch beide zusammen und nimmt mit seinem leiblichen Sensorium einen Gesamtraum wahr, den er, indem der Raum sein Körpergefühl erfasst, als neuen Raum subjektiv erlebt.2



1 Hans-Jürgen Schwalm: Schwarze Linien. Die Architekturzeichnungen von Caroline Bayer. In: Caroline Bayer. Raumzeichnung. Kat. Skulpturenmuseum Glaskasten Marl (GWK-Förderpreis 2007) 2008, o. S.

2 Vgl. Uwe Rüth: Vom Unort zum lebendigen Raum. In: Kat. Bayer 2008 (wie Anm. 16), o. S.

 

 

Westfälische NachrichtenCaroline Bayer im toma.