Caroline Bayer

Michael Pohlzur Ausstellung "Zeichen und Wunder", Kunsthaus Nürnberg

Caroline Bayer beschäftigt sich in ihrer Arbeit mit dem urbanen Raum und dort gefundenen Formen, Strukturen und Mustern, die sie sich auf verschiedenste Weise aneignet und in Zeichnungen, Objekte und Installationen überführt. Ihr Material findet sie beim Erkunden der Stadt, ihren Fassaden, Silhouetten, Zweckbauten und Gerüstkonstruktionen. Hier liegt ihr besonderes Augenmerk auf den eher profanen Bestandteilen städtischen Raums – Plattenbauten, ungeschlachte Hochhäuser, Sichtbeton, verbaute Fußgängerzonen oder Wohnkomplexe, speziell die Architektur der Nachkriegsjahre –  wecken das Interesse der Künstlerin, darin nach dem Besonderen, dem Schönen zu suchen.

Die Arbeiten, die die Künstlerin für „Zeichen und Wunder“ entwickelt hat, sind Ergebnisse ihrer Beschäftigung mit der Karl-Marx-Allee in Berlin. Die in der ehemaligen DDR mit ihren „Arbeiterpalästen“ als Prunkstraße und Symbol der Stärke und Ingenieurskunst des Sozialismus geplante einstige Stalinallee wurde schließlich jedoch aus Kostengründen mit einfachen Plattenbauten fertiggestellt. Bei der Untersuchung eben dieses unweit des Alexanderplatzes gelegenen letzten Abschnitts der Karl-Marx-Allee entdeckte Bayer die „vergessenen“ Konstruktionen auf den Dächern einiger der Gebäude. Vormals Träger von längst demontierten Firmenlogos oder Werbeschriften, wurden diese Aufbauten einfach zurückgelassen und wirken nun selbst wie Zeichen einer unbekannten Sprache.

Die Stützgerüste wurden von Caroline Bayer dokumentiert und als autonome Objekte maßstabsgerecht rekonstruiert. Aus ihrem ursprünglichen Kontext herausgenommen entwickeln die Formen eine Aura, die an geheime Codes oder verschlüsselte Zeichen denken läßt. Die Künstlerin verstärkt und ironisiert diese Wirkung dadurch, daß sie die nun formalistisch-abstrakt wirkenden Strukturen ihrerseits durch Haltekonstruktionen tragen läßt, die diese auf Augenhöhe des Betrachters heben.

Zusätzlich entwickelt die in Berlin lebenden Künstlerin aus der Fassadenfront eines der Gebäude eine Wandzeichnung, die die Fensteransichten in eine grafische Systematik übersetzt und auch hier die Wirkung eines abstrakten Codes hervorruft. Mit ihren Arbeiten zeigt uns Caroline Bayer eine künstlerische Methode, in der es um Wahrnehmung des urbanen Raumes geht. Sie ist nicht daran interessiert, neue Formen zu entwickeln; sie übersetzt Gefundenes in Objekte und Zeichnungen und zeigt uns so eine neue Perspektive auf Dinge, die üblicherweise übersehen werden.

Ruppe KopselleckMetropolis

Anja BauerRaumzeichnungen

URS BUGMANN citygrid

DR. FRITZ EMSLANDERWandnahmen

Westfälische NachrichtenCaroline Bayer im toma.