Caroline Bayer

Ruppe KopselleckMetropolis

Mit Metropolis spielt Caroline Bayer auf ein vergangenes Kino an – auf ein Stück Kultur am Bahnhof, welches wie andere im Stadtgebiet verteilte Einzelkinos dem großen Kinokomplex am Hafen weichen musste. Sie nutzt dazu das Schaufenster in der Herwarthstraße  und genauer dessen Spiegelqualitäten, die aus einer seitlichen Perspektive, die vergangene metropolitane Kinokultur und sein zugehöriges architektonisches Gehäuse abbilden.

Sie wiederholt die quadratische Eternitplattenstruktur auf der Fassade des Metropolis, indem sie in hochartifiziell aufgetragenen Buttermilchquadraten die Anordnung als Hinterglasmalerei aufträgt. Weiße Billboards, auf denen die wechselnden Vorstellungen angekündigt werden könnten, sind lapidar abgestellt und verweisen auf die Filme, die dort nicht stehen. Bayer spielt mit der Anwesenheit des Abwesenden und damit der Leerstelle, die sie zu einer Projektionsfläche für mögliche Filme anbietet. Hier wird kein Lied vom Tod mehr gespielt und auch der Nosferatu wird nie mehr von der alten Kinoorgel im Metropolis begleitet werden.

Hoch ephemer ist ein fest verschraubter Winkel in der linken Ecke des inszenierten Schaufensters platziert. Die Proportionen des Winkels greifen die zu erinnernde 80er Jahre Architektur des Kinos maßstabsgetreu verkleinert auf. Bayer nutzt dabei mit ihrer Schaufensterinstallation einen weiteren Leerstand im Quartier. Der olfaktorische Faktor verortet ihr Metropolis als eine Arbeit im Brennpunkt, wo die feinsinnige ästhetische Kunstreflektion im Schaufenster mit der alltäglichen Umnutzung zu einem Pissoir ringen muss.

Vor Ort lassen sich Putzmittelalkohole inhalieren und diffuse Scheuermilchspuren kämpfen mit einer überdeutlichen präsenten anderen sozialen Wirklichkeit. Optik und Olfaktorik streiten hier unfreiwillig auch um den sinnvollen Umgang mit Leerstand im öffentlichen Raum. Aus dieser seltsamen Rezeptionsmischung entwickelt sich eine brisante Arbeit, die ein problematisches Abbild eines Viertels im Umbruch anklingen lassen. Die Präsenz von Caroline Bayers Metropolis Memorial erobert einen Raum im Abseits der Stadtentwicklung.

Sie verweist einerseits rückbezüglich auf das Vergangene und fragt andererseits nach dem Zukünftigen, indem sie einen Wert erinnert, der unsichtbar Filme vor Augen führt, die sich ein Jeder selbst drehen, schneiden, entwickeln und zeigen muss. Metropolis erscheint als das virale Projektil eines architektonisch dekonstruierten Kopfkinos.

 

Anja BauerRaumzeichnungen

URS BUGMANN citygrid

DR. FRITZ EMSLANDERWandnahmen

Westfälische NachrichtenCaroline Bayer im toma.