Caroline Bayer

Ruppe KopselleckMetropolis

Anja BauerRaumzeichnungen

URS BUGMANN citygrid

DR. FRITZ EMSLANDERWandnahmen

Westfälische NachrichtenCaroline Bayer im toma.

ANDREAS WEBEREröffnungsrede zur Ausstellung Prototypen

Prototypen. Prototypen sind Urbilder, sind Vorabexemplare für eine spätere Serienfertigung. Prototypen dienen dazu zu schauen, was geht, was nicht geht.
Caroline stellt hier also Prototypen aus.

An der linken großen Foyerwand 27 Zeichnungen. Jeweils drei zusammen, neun in einer Zeile, drei Spalten, drei Zeilen. 27 Protypen oder ein Prototyp? Vielleicht eine neue Sprache. Ein Zeichensystem, was wir entschlüsseln müssen. Suchen sie nach dem verborgenen Sinn. Stellen sie die Zeichen um und entwickeln sie neue Sätze. Unser Alphabet hat nur 26 Zeichen, damit ist das von Caroline Bayer also mehr wert, oder?
Einfache Zeichen, Zeichnungen, Architekturzeichnungen, vielleicht sind die Zeichen gar keine Buchstabenzeichen. Vielleicht sind es Entwurfszeichnungen, ein neues Bauhaus, was sich einem hier entgegen springt.

Natürlich, ich frage noch einmal nach, es sind Formen, die sie in der Stadt gefunden hat. Gefunden nicht gesucht. Caroline Bayer sitzt irgendwo in einem Cafe, in einer Bushhaltestelle, auf einer Bank und plötzlich, „zakk“, ein Zeichen, ein Grundmuster, eine Ecke, Dreieck, Viereck, Fünfeck und sie hebt die Ecke aus ihrem Kontext und platziert sie auf Papier. Mal in die Skizzenmappe, mal auf den Bierdeckel, der gerade vor ihr liegt. 
Warum macht sie das bloß? Warum macht sie das bloß?

Ich kenne viele Personen, die den Keller voller alten Kram liegen haben. Die können nichts wegschmeißen und müssen alles sammeln. Der Keller ist voll, ihre Regale sind voll, ihre Zimmer kaum noch zu bewohnen. Den ganzen Tag sind sie nur damit beschäftigt ihre Sammlungen zu organisieren, sortieren, zu deklarieren, ihnen immer neue Ordnungen aufzuzwingen, neue Kontexte zu erfinden. Viele von ihnen sehen in ihren Sammlungen, in ihren Kram den Sinn oder haben gar keine Zeit mehr über den Sinn nachzudenken, weil sie die ganze Zeit mit ihrer Organisation und Sortierung beschäftigt sind.
Irgendwann kommen sie dann an einem sonnigen Tag aus ihrem Keller und bemerken, dass sie mit ihrem Chaos nicht mehr klarkommen.

Vielleicht, überlege ich,  ist Caroline Bayer auch irgendwann einmal morgens aus ihrem Keller gekommen und wusste mit ihrem Chaos nichts mehr anzufangen. Vielleicht hat sie irgendwann sich wieder auf die Grundformen konzentrieren wollen. Dreieck, Viereck, ein Kreis, irgendwo in der Stadtarchitektur aufgespannt, aus ihrem Kontext befreit und auf Papier gebannt. Ein fast langweiliges kühles Zeichen. Ein große Sammlung von kühlen Zeichen statt den Keller voller Kram und Material. Sogar die Farben wurden auf schwarz und weiß reduziert.

Prototypen. Ein neues Alphabet, ein Buchstabe der vorher die Eckkante eines Bushaltestellenwartehäuschens war oder der Rahmen eines Fensters.

Prototypen. Ein Zeichen scheint schon in die Serienfertigung gegangen zu sein, das Stadium Prototyp verlassen zu haben. Im vorderen Foyer liegen Waben auf dem Boden, sie finden sich in einem der 27 Zeichen wieder.

Prototypen sind Vorabexemplare, denke ich, Urbilder. In diesem Fall Formen gefunden im öffentlichen Raum. Manche von ihnen werden vielleicht in einem anderen Material wiedergeboren, viele sicher immer Einzelstücke bleiben.

Als ich vorhin Richtung cuba fuhr, merkte ich, dass ich aufmerksamer wurde, für Zeichen und Formen. Der Balkon dort vom Nachbarn, den kenne ich doch , dachte ich, und fand die Streben hier wieder. Zufall oder überall immer nur die gleichen Formen und Zeichen. Wie auch immer: Man lernt neu sehen.