Caroline Bayer

Ruppe KopselleckMetropolis

Anja BauerRaumzeichnungen

URS BUGMANN citygrid

DR. FRITZ EMSLANDERWandnahmen

Westfälische NachrichtenCaroline Bayer im toma.

PETER SCHLOSSKatalogtext Kunstpreis junger westen 2007

Um die Werke von Caroline Bayer angemessen darzustellen, empfiehlt sich ein chronologisches Vorgehen, d.h. eine Beschreibung von ihrer Entstehung bis hin zur Rezeption. Anfangspunkt ist die Ortsbegehung, bei der zwar auch die exakten Maße genommen werden, die aber wesentlich dazu dient, den je spezifischen Charakter des Ortes zu ermitteln. Mittels maßstabsgetreuen Skizzen findet dann eine Annäherung an die „Atmosphäre“ statt, die später im Raum herrschen soll. Es entsteht das endgültige Motiv, das zuletzt nur noch – in einem handwerklichen Prozess – mit Klebeband auf die Wände übertragen wird. 
Durch die exakt auf die Raumsituation zugeschnittenen, illusionistischen Architekturfragmente kommt es zu optischen Raumerweiterungen, Raumveränderungen, ja regelrecht zu einer anderen, neuartigen Raumwahrnehmung. Dieses raumbezogene, vom bestimmten Raum ausgehende und in ihn eingreifende Arbeiten ist unter dem Schlagwort site specifity ein „alter Hut“ und nicht direktes Ziel in Caroline Bayers Werken. Vielmehr führt die veränderte Raumwahrnehmung zusammen mit den realistischen Größen des dargestellten sowie den Motiven selbst – die, quasi aus dem kollektiven Gedächtnis stammend, immer schon irgendwie vertraut sind – zu einer Neuverortung des Betrachters. Wir sind nicht mehr bloß Zuschauer vor einer Zeichnung, sondern wir bevölkern sie nahezu. 
Die Fragmente bilden hierbei lediglich einen Ausgangspunkt, die Grundatmosphäre, wohingegen sich die leeren weißen Wandflächen als Projektionsfläche auffassen lassen, welche vom Betrachter jeweils auf seine Art gefüllt werden können und müssen. Oder anders: Wir bekommen eine Kulisse geboten,  die neben ihrer statischen, präzisen Architektur in unserer Imagination auch über ein dynamisches, narratives Moment verfügt. 
So gesehen nachvollzieht der Betrachter beim Anschauen nicht nur, was die Künstlerin gemacht hat, sondern er vollzieht – anhand seiner eigenen Phantasie und Vorstellungskraft. 
In letzter Instanz – im Reflexionsprozess – wird der Betrachter somit vor sich selbst geführt und das alles mit nahezu leeren Wänden und knapp zwei Rollen Klebeband. Zur gleichen Erkenntnis gelangt man, übersetzt man Reduktion wörtlich, re-ducere: zurück-, an die richtige Stelle führen.